Historische Sammlungen

Handschriften-Lesesaal

Die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen verfügt durch ihre Tradition über eine Anzahl von historischen Sammlungen, die sowohl regionalen als auch überregionalen Charakter tragen. Im Einzelnen sind dazu zu zählen: Handschriften - Inkunabeln (Frühdrucke) - Alte Drucke  - Autografen und Nachlässe - Bremensien - Sonderbestände [Literatur: 2-4,6,7]

Handschriften

Die Handschriftensammlung umfasst heute 2.000 Einheiten, davon 125 mittelalterliche. Zwei Provenienzen sind dabei besonders hervorzuheben. Zum einen die Handschriften, die aus den Sammlungen des Bremer Doms stammen, zum anderen diejenigen, diejenigen aus der Bibliothek und Sammlung von Melchior Goldast von Haiminsfeld (1576/78-1635), die Bremer Rat 1646 erworben hatte.
Die Domhandschriften waren einerseits für den kirchlichen Ritus bestimmt, andererseits dienten sie zur Ausbildung des hohen Klerus. Am eindrucksvollsten sind die Kodizes, die bis heute aus dem Geschenk von Erzbischof Hartwig an Dom (1166) erhalten sind, darunter der sog. Große Lombarduspsalter [Literatur: 5,11,13,14].

Melchior Goldast von Haiminsfeld & Große Lombarduspsalter

Abb.: Melchior Goldast von Haiminsfeld und der Große Lombarduspsalter

Aus Goldasts Besitz stammt das vermutlich bekannteste Einzelstück der Bibliothek, das Evangelistar Heinrichs III., das um 1040 im Kloster Echternach für Kaiser Heinrich III. verfertigt wurde.

Evangelistar Heinrichs III.

Abb.: Evangelistar Heinrichs III.

Außerhalb dieser Provenienzen steht z. B. die sog. Sächsische Weltchronik mit ihren ca. 100 Miniaturen.
Ein bemerkenswertes Einzelstück ist zudem das Türkische Kostümbuch des Lambert de Vos.

Abb.: Sächsische Weltchronik und türkisches Kostümbuch des Lambert de Vos

Inkunabeln (Frühdrucke)

Die Inkunabelsammlung leidet bis heute unter den Verlusten, die im Zuge der Auslagerung von Buchbeständen während des 2. Weltkrieges eingetreten sind. Sie umfasst zum aktuellen Stand 184 bibliografische Einheiten (1939: 227), die 2005 erstmalig in einem Zensus erfasst wurden. Die Inkunabeln der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen: ein Zensus (gedruckte Version mit Abbildungen in: Bremisches Jahrbuch 84, 2005, 202-232)

Bremer Frühdrucke

Die Inkunabeln der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen: ein Zensus
(in: Bremisches Jahrbuch 84, 2005, 202-232)

Verzeichnis Bremer Frühdrucke

Alte Drucke

Einen wesentlichen Anteil an der Sammlung von alten Drucken hat die von Melchior Goldast zusammengetragene Bibliothek  mit ihren inhaltlichen Schwerpunkten auf den Gebieten, Geschichte, Jurisprudenz, klassischer Philologie und Theologie. In ihren ca. 1.130 physischen Einheiten spiegelt sich eine zeitgenössische humanistische Bibliothek. Ergänzung findet sie in Teilen durch die Sammlung Senatus Bremensis , ursprünglich ein im 16. Jahrhundert entstandenes Arbeitsinstrument des bremischen Rats.etzungen spiegelt, die Bremen vom 16.-18. Jh. nach innen und außen bestimmten (Reformation, reformierte Konfessionalisierung, Dogmenstreitigkeiten innerhalb des Calvinismus, Pietismus).

Darüber hinaus sind Schriften z. T. juristischen, z. T. polemischen Inhalts herauszuheben, die im Kontext der Frage nach Bremens politischer und juristischer Stellung im 16. und 17. Jh. zu sehen sind. In kulturgeschichtlicher Hinsicht bietet die Sammlung grundlegende Materialien zur bremischen Schul- und Geistesgeshichte, bevorzugt zur Geschichte des reformierten Gymnasium Illustre und des lutherischen Athenaeums (Lektionsindizes, Programme), zur Entwicklung des literarischen, zur Geschichte der wissenschaftlichen Gesellschaften des 18. und 19. Jhs. sowie zur bremischen Buchdruck- und Buchhandelsgeschichte.

Autografen und Nachlässe

Die ca. 3.900 Autografen sind heute vollständig in der KALLIOPE-Datenbank der Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz nachgewiesen.  Sie sind in Teilen als Ergänzung zu den 70 Nachlässen betrachten, die die SuUB Bremen besitzt. Besonders herauszustellen sind folgende Nachlässe: Adolf Bastian (1826-1905, Ethnologe), Nikolaus Delius (1813-1888, Anglist), Adolf Erman (1854-1937, Ägyptologe), Johann Georg Kohl (1808-1878, Reiseschriftsteller, Geograf), Heinrich Wilhelm Matthias Olbers (1758-1840, Astronom), Gottfried Reinhold Treviranus (1776-1837, Naturforscher), Hans Vaihinger (1852-1933, Philosoph).

Bremensien

Unter den Bremensien sind diejenigen Medien zu verstehen, die die Bibliothek in ihrer landesbibliothekarischen Funktion sammelt oder gesammelt hat. Inhaltliche Bezugspunkte sind Stadt und Bundesland Bremen sowie die Gebiete des ehemaligen Erzbistums bzw. Herzogtums Bremen-Verden. Neben der neueren Literatur bilden die alten Bremensien (Handschriften und Drucke, darunter 2.900 bremische) ein Alleinstellungsmerkmal der Bibliothek. Sie wurden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht systematisch gesammelt und gelangten dann erst durch den Erwerb der umfangreichen Sammlung des Professors Johann Philipp Cassel (1707-1783) in ihren Besitz.

Johann Philipp Cassel - Bremer Papyri in griechischer Sprache

Abb. Johann Philipp Cassel / Bremer Papyri in griechischer Sprache der Jahre 113/114 - 118/119

Sondersammlungen

Neben den historischen, Karten die mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) digitalisiert und erschlossen wurden, sind zwei besonders häufig genutzte bzw. wissenschaftlich bedeutende Sondersammlungen anzuführen:

Sammlung Welding

Sie stellt den Buchnachlass von Olaf Welding (1893-1960) dar. Die Schwerpunkte liegen auf den Gebieten der historischen Landeskunde, Geschichte und Genealogie des Baltikums. Neben Monografien finden sich seltenes Kleinschrifttum und Archivalien [Literatur: 10].

Bremer Papyri

Die sog. Bremer Papyri (oder auch Papyri Melchers) entstammen einer Schenkung des Bremer Kaufmanns Hermann Melchers (1842-1918), der 1902 insgesamt 90 Papyri von Ludwig Borchardt (1863-1938), dem späteren Ausgräber der Nofretete, erwarb. Die heute noch vorhandenen 84, durchweg in griechischer Sprache geschriebenen Papyri  der Jahre 113/114 - 118/119 entstammen einem Konvolut und beziehen sich auf das Leben und die Tätigkeit des Apollonios, eines hohen Verwaltungsbeamten in Ägypten. Die Papyri geben u.a. interessante Einblicke in das Wirtschafts- und Alltagsleben der Zeit [Literatur: 1,16].
Alle Bremer Papyri wurden im Jahr 2013 digitalisiert und stehen online im Rahmen unserer digitalen Sammlungen zur Verfügung (Projektbericht: Digitalisierung der Bremer Papyri).

Evangelistar Heinrichs III.

Literatur zu den Handschriften und Rara

[...weiterführende Literatur zur Staats- und Universitätsbibliothek (Reg 928)]

1. Böhme, Moritz; Schmitt, Tassilo (Hrsg.): Welt aus Schnipseln. Papyrus-Texte aus dem Alten Ägypten. Bremen: Universität Bremen 2007 (Haus der Wissenschaft. 4).

2. Elsmann, Thomas (1996): Bremen. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Bd. 1. Hrsg. von Paul Raabe, Hildesheim: Olms-Weidmann, S. 289-308

3. Elsmann, Thomas: Zurückgekehrte Kostbarkeiten der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. Ausstellung der Sparkasse Bremen, 16. Nov. - 11. Dez. 1998. Bremen 1998, 48 S., Ill. (Schriften der SuUB Bremen. 4) ISSN 0723-5089

4. Elsmann, Thomas: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. In: Hagenau, Bernd (Hrsg.): Regionalbibliotheken in Deutschland. Mit einem Ausblick auf Österreich und die Schweiz. Frankfurt am Main: Klostermann 2000 (ZfBB Sonderheft. 78), S. 196-202.

5. Elsmann, Thomas; Hetzer, Armin (Bearb.): Die neuzeitlichen Handschriften der Ms.-Aufstellung. Wiesbaden: Harrassowitz 2008 (Die Handschriften der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. 2).

6. Elsmann, Thomas; Müller, Maria Elisabeth; Staroske, Uwe (Hrsg.): Vom Katharinenkloster zum Hochschul-Campus. Bremens wissenschaftliche Literaturversorgung. Festschrift zum 350jährigen Jubiläum der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. Bremen: Temmen 2010 (Schriften der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. 7).

7. Elsmann, Thomas: Die Bibliotheca Bremensis bis zum Ende des 18. Jahrhunderts: Sammlung, Nutzung und der Weg zum Gestaltwandel. [PDF - Online Volltext mit freundlicher Genehmigung des Verlags Edition Temmen, Bremen] - In: Elsmann, Thomas; Müller, Maria Elisabeth; Staroske, Uwe (Hrsg.): Vom Katharinenkloster zum Hochschul-Campus. Bremens wissenschaftliche Literaturversorgung. Festschrift zum 350jährigen Jubiläum der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. Bremen: Temmen 2010 (Schriften der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. 7). [6]

8. Hetzer, Armin (1985): Pressen-Drucke: Buchkunst aus dem Besitz der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. Katalog zur Ausstellung. Bremen: Sparkasse

9. Hetzer, Armin (1987): Vom Umgang mit orientalischen Handschriften und Drucken. In: Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte, Bd. 12 (1987) Heft 1 - 3, S. 25 - 52

10. Hetzer, Armin (Bearb.): Standortkatalog der Sammlung Welding. München, London usw.: Saur 1989.

11. Hetzer, Armin (1992): Bremen. In: Handbuch der Handschriftenbestände in der Bundesrepublik Deutschland. Teil 1. Bearb. von T. Brandis & I. Nöther. Berlin: DBI (Harrassowitz, Wiesbaden, in Kommission), S. 103-105

12. Knoll, Gerhard (Hrsg., 1993): Das Evangelistar Kaiser Heinrich III. Kommentarband zum Faksimile. Wiesbaden: Reichert, ISBN 3-88226-589-2

13. Knoll, Gerhard (Hrsg., 1995): Das Echternacher Evangelistar Kaiser Heinrichs III. Wiesbaden: Reichert, ISBN 3-88226-837-9

14. Stahl. Irene (Bearb.): Mittelalterliche Handschriften aus der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. Wiesbaden: Harrassowitz: 2000 (Ausstellungskataloge der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel. 78).

15. Stahl. Irene (Bearb.): Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. Wiesbaden: Harrassowitz 2004 (Die Handschriften der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. 1).

16. Wilcken, Ulrich: Die Bremer Papyri. Berlin: Verlag der Akademie der Wissenschaften 1936.

Kontakt

Handschriften - Lesesaal

Dr. Thomas Elsmann

Tel: (0421) 218 59571

Fax: (0421) 218 59614

elsmann@suub.uni-bremen.de

Zentrale

Information Handschriftenlesesaal

Tel: (0421) 218 59577

handschriften-lesesaal@suub.uni-bremen.de

Literatur zur Staats- und Universitätsbibliothek Bremen